Fotos: Hintzen; VPNÖ

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner im Gespräch

Wir sprachen mit Landeshauptfrau Mag. Johanna Mikl-Leitner über Ideen und Vorhaben in unserem Bundesland

Sie haben bei Ihrem Amtsantritt einen neuen Stil in der Politik angekündigt. Was hat Sie zu diesem neuen Zugang bewogen und was ist seit Ihrer Wahl zur Landeshauptfrau konkret geschehen?

Politik ist nicht  Selbstzweck – sie ist das das Werkzeug mit dem wir unsere Gesellschaft gestalten: Wir müssen zusammenarbeiten und aus den Herausforderungen unserer Zeit, Chancen für unser Land entwickeln. Das kann uns allerdings nur gelingen, wenn wir alte Denkmuster und Glaubenssätze überwinden. Denn die Menschen erleben in der Politik zu oft ein Gegeneinander. Gute Vorschläge einer Gruppe werden abgelehnt, weil sie von der falschen Seite kommen. Für die Menschen ist aber nicht die Parteifarbe wichtig, sondern einzig und allein die Frage, welche Ideen uns weiterbringen.

Deshalb müssen wir zu einem neuen politischen Stil kommen: Weniger danach fragen, was von welcher Partei kommt, sondern mehr danach handeln, was unser Land weiterbringt.

Unmittelbar nach meiner Wahl zur Landeshauptfrau habe ich  über die Parteigrenzen hinweg zu einer gemeinsamen Regierungsklausur geladen – der ersten dieser Art. Es gibt kein Monopol für gute Ideen und auch kein Monopol  auf wegweisende Konzepte. Gemeinsam geht´s einfach besser und miteinander können wir mehr möglich machen. Das ist jene Art von Politik, für die ich eintrete und für die wir in Niederösterreich auftreten.

Einen besonders hohen Stellenwert hat für Sie das „WIR“. Wie kann man als Bürger dieses „WIR“ verstehen?

„WIR“ ist für uns auf jeden Fall mehr als ein Wort auf Plakaten. „WIR“ ist ein Ort – unsere Heimat,  unser Niederösterreich. „WIR“ ist aber auch die Antwort wenn es darum geht Herausforderungen, gemeinsam zu bewältigen. Für uns zählen Arbeit und Zusammenarbeit, nicht Angriffe und Untergriffe. Die gemeinsame Arbeit mit unseren Landsleuten -  aber auch über Parteigrenzen hinweg - steht für uns im Zentrum. Und dieses Gemeinsame spiegelt sich im „WIR“ wider. Dieses „WIR in Niederösterreich“ liegt mir am Herzen. Denn „WIR“ ist nicht der kleinste gemeinsame Nenner, es ist das größte gemeinsame Vielfache! Weil wir gemeinsam mehr schaffen als alleine, gemeinsam mehr erreichen, als ein einzelner und so gemeinsam weiter kommen - für unsere Landsleute, für unser Land. 

Die Stärkung der Minderheitenrechte im Landtag und der Ausbau der Transparenz wurden bereits auf den Weg gebracht. Was waren in diesen Bereichen die konkreten Maßnahmen und wie geht es weiter?

Bisher waren sechs Abgeordnete notwendig, um Anträge und Aktuelle Stunden einbringen zu können. Diese Schwelle wurde auf vier gesenkt und auch U-Ausschüsse und eine Gebarungsprüfung durch den Rechnungshof kann nun von einem Drittel der Mandatare beantragt werden. Ich habe mich von Anfang an für Transparenz - in Niederösterreich nennen wir es Offenheit - ausgesprochen. Verantwortung haben und verantwortlich gemacht werden bedingen einander. Bisher waren Inhalte der Beschlüsse der Landesregierung geheim. In Zukunft werden sie den Klubs mitgeteilt und auch im Internet veröffentlicht. Unter meiner Führung  sind wir in Niederösterreich gerade intensiv dabei auch alle Fördermittel zum Aufbau der Transparenzdatenbank des Bundes einzumelden. Im Umwelt- und Energiebereich ist das schon geschehen. Ich habe den Auftrag gegeben nun rasch weitere Förderbereiche einzutragen. Die Österreicherinnen und Österreicher leisten sich einen Staat der rund 70 Milliarden Euro pro Jahr kostet – verständlich und fair, dass sie auch erfahren, wofür das Geld ausgegeben wird.

Es geht weiter: Wir stärken auf Landesebene die direkte Demokratie. Durch Herabsetzung der Schranken für Volksbegehren, Volksabstimmungen und Volksbefragungen laden wir die Bürgerinnen und Bürger ein, stärker am politischen Prozess teilzunehmen. Ab sofort reichen 50 Gemeinden bzw. 30.000 Wahlberechtigte - statt wie bisher 50.000 Wahlberechtigte oder 80 Gemeinden - um einen politischen Prozess anzustoßen.

Im Verlauf der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 stieg die Arbeitslosigkeit auch in NÖ enorm an. Wie stellt sich die Situation aktuell dar?

Ich bin sehr stolz darauf, dass wir im Sommer die Trendwende am Arbeitsmarkt geschafft haben, die sich in den letzten Monaten auch nachhaltig erweist. Bei uns in NÖ gibt  es mehr Arbeitsplätze, als je zuvor. Ein Überblick: Mit rund 620.000 Beschäftigen haben wir im Jahr 2017 eine Beschäftigungsrekordzahl erreicht, das Beschäftigungswachstum war seit 10 Jahren nicht mehr so stark und die Arbeitslosenquote in NÖ liegt mittlerweile wieder unter dem Bundesschnitt. Mit 9.000 sofort verfügbaren Stellen haben wir auch hier eine gute Entwicklung. Aber ich bin nicht zum Schulterklopfen und stolz sein in der Politik. Wir müssen was  für jene tun, die noch keine Arbeit haben: Noch im heurigen Jahr werden mit dem territorialen Beschäftigungspakt konkrete Maßnahmen gesetzt, um die 51.000 Arbeitssuchenden wieder in  Beschäftigung zu bringen. Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen dabei die gezielte Weiterbildung und die Förderung von Ausbildungen, denn aktuell hat jeder zweite Arbeitssuchende lediglich einen Pflichtschulabschluss. Dafür investieren wir jährlich 5 Mio. Euro in Weiterbildungsförderungen des Landes NÖ.

Bildung ist Zukunft. Die Zukunft liegt aber auch in der Wissenschaft und Forschung. Wie lautet Ihr Zugang dazu?

In den vergangenen Jahren haben wir in eine starke Wissenschaftsachse von Krems, über St. Pölten, Tulln, Klosterneuburg und Wiener Neustadt investiert. Diese Erfolge tragen wir jetzt in die Öffentlichkeit: Die NÖ Forschungswochen hatten ihr großes Debüt 2017. Über 10.000 Besucher/innen waren beim Forschungsfest im Palais NÖ, über 5.000 Menschen besuchten die Ausstellung an Bord der MS Wissenschaft. Mir ist es ein großes  Anliegen, die Wissenschaft noch näher zu den Menschen zu bringen. Wir wollen vor allem unsere Kinder und Jugendlichen zur Wissenschaft bringen. Denn es ist ihre Neugier, die unsere Zukunft bestimmen wird.

Sehr oft bekommt man aber zu hören, dass die Ausbildung der Jugendlichen an den Bedürfnissen der Menschen vorbeigehen. Was ist Ihr Rezept dagegen?

Ich teile diese Einschätzung nicht. Was wir allerdings im Blick haben müssen ist eine Flexibilisierung unseres Bildungssystems. Denn das einzige was am Arbeitsmarkt sicher ist, ist die Veränderung.

So müssen wir auch Bildung und Ausbildung laufend weiterentwickeln  und anpassen. Einen ersten wichtigen Schritt haben wir mit unserer Plattform „Arbeit und Wirtschaft im Dialog“ gesetzt, wo Politik, Sozialpartner, Unternehmen und Arbeitnehmer auf Augenhöhe die Anforderungen des Arbeitsmarktes und die Bedürfnisse der Wirtschaft aufeinander abstimmen und gemeinsame Maßnahmen setzen. Eine weitere Initiative haben wir  bei unseren Handelsakademien im Waldviertel gesetzt, die zu Wirtschaftsakademien mit Schwerpunkten an den jeweiligen Standorten werden sollen, die von der Wirtschaft auch nachgefragt werden. Das ist eine Win-Win-Situation für Unternehmen, Schüler und die Region. Unbestritten bleibt, eine gute Ausbildung ist der Schlüssel zum Arbeitsmarkt und zur Beschäftigung. Und die richtige Ausbildung ist ein entscheidender Faktor für eine erfolgreiche Karriere unserer jungen Landsleute.

Digitalisierung ist eines der großen Schlagwörter, wenn man in die Zukunft blickt. Als wichtige Grundlage dafür, treibt das Land NÖ den Breitband-Ausbau voran. Wie ist da der aktuelle Zwischenstand?

Wenn wir die Digitalisierung als nächste große, weltumspannende Revolution sehen, dann sage ich mit Zuversicht: Auch diesmal wird es für uns am Ende sehr, sehr gut ausgehen. Neue Jobs, bessere Gesundheitsversorgung, Lösungen für die Jüngsten und die ältere Generation sowie politische Beteiligungsmodelle. Der Mut zum „Ja zur Digitalisierung“ wächst quer durch die Gesellschaft. Derzeit sind wir dabei, die Pilotregionen im Rahmen unserer Breitband-Initiative zu prüfen. Anfang 2018 wollen wir ein Modell präsentieren, mit dem wir Niederösterreich noch schneller vernetzen. Im Rahmen unseres Masterplans Digitalisierung sind wir intensiv dran 92 konkrete Maßnahmen umzusetzen mit einer Gesamtinvestition von rund 60 Mio. Euro. Besonders wichtig ist mir dabei, alle Menschen auf diesem Zukunftsweg mitzunehmen, daher liegt ein großer Schwerpunkt auf der Aus- und Weiterbildung aller Altersgruppen. Wir müssen die Menschen „digi-fit“ machen, dass auch jeder diese Chancen nutzen kann.

Mit dem neuen Haus der Geschichte in St. Pölten wurde ein kulturpolitischer Meilenstein gesetzt. Der nächste folgt mit der Bewerbung der Landeshauptstadt St. Pölten zur Kultur-Hauptstadt Europas im Jahr 2024. Was war hier der Beweggrund?

Wir stellen uns da klar in die erste Reihe. Kunst und Kultur sind längst mitten in Niederösterreich angekommen. Und das ist gut so: Ich spüre bei uns einen eigenen kreativen Spirit, einen Geist der Offenheit und Neugier. Niederösterreich hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem selbstbewussten, zukunftsorientierten Kunst- und Kulturland entwickelt. Sowohl in der Landeshauptstadt mit dem Kulturbezirk und dem Landestheater Niederösterreich als auch in allen anderen Regionen sind mit Grafenegg, der Kunstmeile Krems oder der Schallaburg vorzeigbare Kultureinrichtungen gewachsen. Auf den wesentlichen Verkehrsachsen und im Zentrum Niederösterreichs gelegen, ist St. Pölten mit seinem florierenden Kulturleben prädestiniert für eine Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2024. Mit dieser Bewerbung wollen wir in partnerschaftlicher Zusammenarbeit die Erfolgsgeschichte des Landes Niederösterreich und der eigenen Landeshauptstadt St. Pölten fortschreiben und auf eine europäische Dimension heben. Die Bewerbung zur Kulturhauptstadt soll Kraft und Dynamik freilegen: Für die Landeshauptstadt als auch für das gesamte Umland, das im Rahmen eines Kulturentwicklungsplanes miteinbezogen werden soll.

Ein zentrales Thema für Niederösterreich ist Mobilität. Gerade für ein Flächenbundesland stellt der öffentliche Verkehr eine besondere Herausforderung dar. Welche Akzente setzt dabei das Land?

Da gilt es zu entscheiden, ob man auf der Welle moderner Mobilität surfen oder buchstäblich „unter die Räder“ kommen möchte. Niederösterreich ist klar auf der Überholspur: Mit unserem Mobilitätspaket stimmen wir öffentlichen Verkehr und Individualverkehr noch besser aufeinander ab. In beide Bereiche werden bis 2022 rund 3,3 Mrd. Euro investiert – damit werden auch 50.000 Arbeitsplätze geschaffen und gesichert. Entscheidend aber ist auch die überregionale Abstimmung. Die Räume in denen wir heute Leben und Arbeiten haben oftmals nichts mehr mit Landesgrenzen von früher zu tun. Heute arbeiten die Menschen über Landesgrenzen hinweg. Deshalb muss auch die Politik zunehmend in Lebensräumen denken und handeln: Gerade an den Schnittstellen zwischen NÖ und Wien, oder NÖ und Oberösterreich, arbeiten wir in diesem Geist.

Frau Landeshauptfrau, eine immer wiederkehrende Forderung ist die Entbürokratisierung. Ihr Ansatz dazu?

Die Bürokratie ist für viele zu einem großen Rucksack geworden und darf es nicht um ihrer selbst willen geben. Was niemandem etwas bringt, muss weg. Ich habe das Ziel ausgegeben: Niederösterreich soll nicht nur das größte Bundesland sein, sondern soll auch zum schnellsten Bundesland werden. Wir wollen schnell sein, wenn es um Entscheidungen für Betriebe und neue Arbeitsplätze in NÖ geht, wenn es um Verfahren und Planungen geht und wenn es um Entscheidungen für die Anliegen der Menschen geht. Anders gesagt: Wir wollen Niederösterreich zu einem Zukunftsland mit Hausverstand machen. Und dazu gehört auch eine gut funktionierende Verwaltung. Eine smarte Verwaltung, die Dreh- und Angelpunkt im Land ist, die schnelles und rasches Service bietet. Wir gehen daher in Niederösterreich den Weg des „Triple E“: einfach, effizient und elektronisch. 

Die Konjunktur zieht ja im gesamten Euroraum wieder an. Wie steht es um die Entwicklung in NÖ und um den Wirtschaftsstandort NÖ?

Aktuell weist Niederösterreich das höchste Wirtschaftswachstum seit sechs Jahren aus, mit 2,9% deutlich über dem Bundesschnitt von 2,6% - und es geht weiter Berg auf: für 2018 sind die Prognosen noch einmal deutlich besser, für NÖ 3,3%, bundesweit 2,1%. Viele Betriebe erkennen die Vorteile unseres Bundeslandes als Standort. Es werden so viele Betriebsansiedelungen wie noch nie in Niederösterreich bearbeitet - so sind alleine aus Wien in den letzten 5 Jahren 70 Unternehmen nach Niederösterreich übersiedelt. Mit Wirtschaftsförderungen im Jahr 2018 in der Höhe von 100 Mio. Euro - das entspricht fast einer Verdoppelung - werden wir in Niederösterreich nächstes Jahr rund 1.500 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen können. Generell hängt jeder dritte Job im Land direkt oder indirekt vom Export ab, natürlich profitieren wir damit auch überdurchschnittlich von einer guten internationalen Entwicklung. Wichtig sind für uns auch Unternehmensgründungen – in diesem Bereich haben wir uns in wenigen Jahren um ein Drittel auf fast 9.000 Gründungen pro Jahr gesteigert.

Nicht nur für Betriebe und Unternehmen scheint Niederösterreich interessant zu sein, auch der Wohnbau boomt in Niederösterreich. Wie steht es aktuell um leistbaren Wohnraum?

Während anderswo durch einen schwächelnden Wohnbau und Spekulation eine Immobilienblase zum bedrohlich großen Ballon wächst, haben die Menschen in Niederösterreich ein Dach über dem Kopf und zwar zu vernünftigen Kosten. Warum? In Niederösterreich hat der geförderte Wohnbau Tradition und ist eine Erfolgsgeschichte für sich. Niederösterreich ist das Bundesland mit den zweitmeisten Eigentümern und den drittgünstigsten Mieten. Mit Investitionen von 700 Mio. Euro jährlich gewährleistet das Land Niederösterreich nicht nur den leistbaren Wohnraum für unsere Landsleute, auch 33.000 Arbeitsplätze sichern wir so ab. Entscheidend ist die Verfügbarkeit – aktuell finden sich in 513 von 573 Gemeinden geförderte Wohnräume, rund 1.050 Wohneinheiten sind sofort zu beziehen. Das alles ist für Interessierte auch nach Regionen aufgeschlüsselt auf www.noe-wohnbau.at. Ausschlaggebend ist aber die Lebensqualität im Land insgesamt – aktuell schätzen 9 von 10 Landsleuten diese als besonders hoch. Das ist wichtig, wenn es darum geht zu Hause in NÖ eine Familie zu gründen.

Als erstes Bundesland hat NÖ eine medizinische Nachwuchsförderung umgesetzt und investiert 1 Mio. Euro in die Aus- und Weiterbildung von Medizinern sowie in Vorbereitungskurse für die Medizin-Aufnahmeprüfungen. Welche Impulse sind darüber hinaus zu erwarten?

Bereits jetzt wird jeder zweite Euro im NÖ-Budget für Gesundheit und Soziales aufgewendet, um die Gesundheitsversorgung in Niederösterreich auch für die Zukunft auf diesem hohen Niveau zu erhalten. Neben umfassenden Investitionen in Kliniken und die Landespflegeheime wurden vor kurzem auch 200 neue Dienstposten für medizinisches Personal beschlossen. Ganz klar sehe ich in der Ärzteausbildung eine gewaltige Herausforderung auf die neue Österreichische Bundesregierung zukommen. Österreich bildet jährlich 1.600 Ärzte aus – das ist viel zu wenig. Das liegt aber nicht am mangelnden Interesse – immerhin bewerben sich 10 Interessierte auf einen Platz, es gibt einfach zu wenige Plätze. Wir übernehmen hier Verantwortung,  bilden in medizinischen Berufen auf Spitzenniveau aus und unterstützen angehende Medizinstudenten aus NÖ beim Aufnahmetest.

Viele ältere Menschen aber auch Angehörige beschäftigt das Thema Pflege und Betreuung. Wie begegnet das Land NÖ den unterschiedlichen Bedürfnissen, wenn es um Pflege und Betreuung geht?

Klar ist, dass 85 % zu Hause alt und auch betreut werden wollen. Deshalb ergänzen wir unser bestehendes Angebot in Zukunft mit einem neuen Angebot und schaffen dazu auch ein neues Berufsbild. Mit sogenannten Alltagsbetreuern, die Hilfstätigkeit übernehmen, bieten wir eine Vorstufe zur 24-Stunden Betreuung. Für viele Landsleute reicht aber eine Betreuung zu Hause oft nicht mehr aus, deshalb investieren wir in den kommenden 6 Jahren auch 170 Mio. Euro in unsere Pflegeheime, um dem Bedarf auch in Zukunft gerecht werden zu können. So werden rund 11.000 Menschen in privaten oder in Landes-Pflegeheimen betreut und gepflegt. An die 16.000 Landsleute werden insgesamt andauernd versorgt, zusätzlich 3.200 im Rahmen der Aktion Betreutes Wohnen, 6.200 nehmen eine 24-Stunden-Betreuung in Anspruch. Nach Einschätzung unserer Experten benötigen rund 2.000 Menschen in Niederösterreich das Angebot eines Alltagsbetreuers. 

Ein Thema, das viele Menschen im Land bewegt, ist die Migration. Wie steht es um die aktuelle Entwicklung?

Wir im Land NÖ haben dazu einen gemeinsamen Weg gefunden und verfolgen diesen konsequent.  Ich bin stolz darauf in einem Land zu leben, wo die Menschen dieser Herausforderung mit Hirn und Herz begegnet sind.  Zu den Zahlen: Hatte man im letzten Jahr noch einen Höchststand von 15.000 Asylwerbern in der Grundversorgung, so ist diese Zahl auf mittlerweile unter 10.000 gesunken. Auch in der Erstaufnahmestelle Traiskirchen sind mittlerweile mit weniger als 500 so wenige Flüchtlinge untergebracht, wie seit 2013 nicht mehr. Durch unsere Reformen bei der Mindestsicherung - sie wissen, wer in den letzten 6 Jahren kürzer als 5 Jahre in Österreich gelebt hat, bekommt eine reduzierte Mindestsicherung – stellen wir erstmals seit 15 Jahren einen Rückgang bei den Beziehern fest. Und das senkt auch unsere Kosten, 2017 um 9 Mio. Euro, 2018 um 15 Mio. Euro - Gelder die im Sozialbudget bleiben und anderen Projekten zu Gute kommen. Unsere Haltung ist europäisches Vorbild und unsere Standpunkte haben längst überfällige Diskussionen angestoßen – das Thema der Migration kann nur international gelöst werden. Hier sprechen wir mit klarer, starker Stimme. 

Sie haben mehrfach gesagt, NÖ soll für die Schwächsten da sein und nicht für die Frechsten, was können wir uns konkret darunter vorstellen?

Mir gefällt das Bild von einem sozialen Netz, das ein Trampolin und keine Hängematte ist. Ein System der Chancen und des Wachstums und kein Selbstbedienungsladen einiger weniger, der von der großen Mehrheit schweigend dotiert wird. Und ich denke, wir sind hier sehr weit gekommen: Zunächst einmal kann NÖ auf die niedrigste Armutsgefährdung aller Bundesländer verweisen. In NÖ sind ein Drittel weniger Menschen armutsgefährdet als im Bundesschnitt und nur halb so viele wie in Wien. Für Fairness sorgen wir laufend: Zum Beispiel durch die Reform der Mindestsicherung. Erstmals seit 15 Jahren gehen Bezieher und Kosten zurück. Auch mit unseren NÖ Bildungs- und Weiterbildungsförderungen aber auch im Rahmen des Beschäftigungspaktes gemeinsam mit unseren Partnern – darunter AMS, Arbeiter- und Wirtschaftskammer – sorgen wir für Bewegung und Entwicklung. In den vergangenen 2 Jahren wurden fast 600 Mio. Euro in Jobprojekte in NÖ investiert.

Gerade im Herbst und Winter sind sogenannte Dämmerungseinbrüche ein Thema. Was tut das Land NÖ für Sicherheit und im Speziellen gegen Einbrüche in Wohnungen und Häuser?

Zunächst einmal sollte alleine der Vergleich unser subjektives Sicherheitsgefühl stärken – denn in Niederösterreich leben wir vergleichsweise sicher: Österreich ist das viertsicherste Land der Welt. Und wir in NÖ sind unter den sichersten Bundesländern ganz vorne dabei. Im letzten Jahr haben wir uns noch weiter nach vorne gearbeitet zum zweitsichersten Bundesland. Am Weg zum sichersten Bundesland haben wir ein Sicherheitspaket für NÖ geschnürt, das u.a. 700 zusätzliche Polizisten und den Aufbau von zwei Sicherheitszentren in St. Pölten und Wiener Neustadt vorsieht. Und wir haben die Sicherheitsförderung des Landes NÖ wiedereingeführt – je 1.000 Euro für den Einbau von Sicherheitstüren sowie Alarmanlagen, dafür  sind insgesamt 5 Mio. Euro reserviert.    

Ein wichtiger Punkt wenn es um die Sicherheit geht, sind die Freiwilligen Feuerwehren. Oftmals wird gefordert mehr Profis einzusetzen, wie stehen Sie dazu?

Unsere freiwilligen Feuerwehren arbeiten enorm professionell, engagiert und zuverlässig. Sie sind Rückgrat unserer Gesellschaft, sie geben Sicherheit für Hab und Gut und retten Leben. Rückwirkend mit 1. Jänner 2017 haben wir in NÖ die Rückvergütung der Mehrwertsteuer beim Ankauf von Einsatzfahrzeugen der Feuerwehren beschlossen. Damit können wir die Gemeinden und die Feuerwehren um zirka 4 Mio. Euro pro Jahr entlasten. Auf Initiative aus NÖ wurden heuer auch im Nationalrat Gratis-Hepatitis-Impfungen für Feuerwehrleute beschlossen. Unsere Feuerwehrfrauen und –Männer leisten großartige und hochprofessionelle Arbeit, sie gilt es dabei bestmöglich zu unterstützen. 

Zuhause verbinden viele Menschen auch mit Heimat. Immer öfter wird erlebt, dass Sitten und Bräuche an Bedeutung verlieren. Was ist Ihr Ansatz dazu?

In der Debatte um Offenheit und Toleranz gegenüber neuen Einflüssen und anderen Kulturen scheint mir eine Position wichtig: Wenn wir in einer modernen und durchlässigen Gesellschaft leben möchten, brauchen wir Festigkeit und Vertrauen in all jene Werte, Sitten und Bräuche, die unsere Identität ausmachen. Sie geben  uns Zusammenhalt und machen uns stark und zuversichtlich. Gerade zu dieser Jahreszeit, sollte es besonders leicht fallen, sich zu Sitten und Bräuchen unserer Heimat zu bekennen. Der Advent ist Teil unserer Identität. Die Geschichte des Heiligen Nikolaus ist Teil unseres Selbstverständnisses. Das Vorbereiten auf Weihnachten mit dem Warten auf das Christkind, und nicht auf den importierten Weihnachtsmann, ist für uns eine Selbstverständlichkeit – und das soll es auch bleiben. Im Kindergarten, in der Schule, in der Familie und im öffentlichen Leben. Das ist mit Sicherheit nichts, was man aus falsch verstandener Toleranz zu verstecken hat. Nicht in Niederösterreich.

Zum Abschluss: Gibt es noch einen Wunsch, den Sie für Niederösterreich haben?

Wir leben in einer Zeit, in der wir neue Herausforderungen, neu beantworten müssen. Das alles schaffen wir aber nur, wenn wir gemeinsam auf das setzen, was sich bewährt hat: unseren Zusammenhalt. Dabei geht es um den Zusammenhalt in der Familie und unter Freunden, den Zusammenhalt unter Freiwilligen und in Vereinen. Es geht um den Zusammenhalt unter den Generationen, in unseren Dörfern und Gemeinden und in unseren Betrieben. Das ist jener Zusammenhalt, der NÖ auszeichnet und stark macht. Und diesen Zusammenhalt wünsche ich mir auch in der Zukunft. Jede und jeder von uns sind Tag für Tag „dran“ um etwas zu tun – nicht in erster Linie nur für sich selbst, sondern für  andere und besonders für all jene, die ein wenig Unterstützung, Hilfe und Zuspruch brauchen. 

Danke für das Gespräch.