Fotos: © Lahousse

Lukas Mandl: „Ich vertrete unsere Landsleute in der EU. Das ist der Auftrag.“

Das Interview

Der Niederösterreicher Lukas Mandl gehört seit 2017 dem Europa-Parlament an und ist der Spitzenkandidat der Volkspartei NÖ im österreichweiten Rennen um Vorzugsstimmen für die Wahl der heimischen Abgeordneten für das neue Europa-Parlament. Hier ein Interview:

Deine Arbeitsschwerpunkte als Abgeordneter im Europa-Parlament sind Außen- und Sicherheitspolitik, Bildung und Digitalisierung, Regionalpolitik und Nachhaltigkeit sowie die EU-Reform? Wie kommt es dazu?

Sicherheit gehört zu jenen Aufgaben, deren Erfüllung die allermeisten Menschen von der Europäischen Union erwarten. Und tatsächlich brauchen wir in einer in Unruhe geratenen Welt ein Europa der Sicherheit, der Freiheit nach innen, der Rechtsstaatlichkeit, der Lebensqualität im umfassenden Sinn. Dazu gehört auch, dass wir unseren Wohlstand nicht aufs Spiel setzen dürfen. Wir konsumieren im digitalen Zeitalter in ganz großem Ausmaß Produkte aus Asien und digitale Dienstleistungen aus den USA, etwa unsere Software-Lizenzen. Wir bezahlen, die Wertschöpfung und die Arbeitsplätze sind aber in anderen Kontinenten. Nicht Neid ist hier angebracht, sondern eigene Anstrengung, damit wir in Zukunft auch Innovation und Produktion in Europa haben und auch in Zukunft junge Menschen in Europa gute Arbeitsplätze finden. Deshalb hängen meine Schwerpunkte für Bildung und Digitalisierung auch zusammen. Es geht nicht nur um die akademische Bildung, die oft mit der EU-Erasmus-Förderung verbunden wird, sondern ganz besonders um Berufsbildung.

Wie hängen Nachhaltigkeit und Regionalpolitik zusammen?

Dem Klimawandel mit Nachhaltigkeit zu begegnen heißt, in Europa Vorreiter zu sein, aber andere Teile der Welt mitzunehmen. Denn wir sind nicht einmal sieben Prozent der Weltbevölkerung und werden dem Klimawandel nicht alleine begegnen können. Da gehört es zu den Stärken Europas, und innerhalb Europas besonders Österreichs und Niederösterreichs, dass wir ein im weltweiten Vergleich viel besseres Miteinander von ländlichen Räumen und urbanen Zentren haben. Wenn das ins Missverhältnis gerät, drohen Landflucht, Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Obdachlosigkeit. Außerhalb Europas sieht man das. Dass wir funktionierende Kulturlandschaften haben und dank unserer Landwirtschaft erstklassige Lebensmittelqualität, hängt auch mit der Regionalpolitik zusammen. Sie fördert kluge Projekte. Da unsere Landsleute und Gebietskörperschaften in Niederösterreich viele kluge Projekte schaffen, da wir erstklassige bäuerliche Familienbetriebe haben, holen wir nach Niederösterreich mehr Geld durch Förderungen herein, als wir am gesamtstaatlichen EU-Mitgliedsbeitrag mitzahlen. Das ist auch ein Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung. Die EU-Regionalpolitik ist aber immer wieder durch zentralistische Anwandlungen unter Druck. Niederösterreich nimmt unter der Führung von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner eine Vorreiterrolle für die Erhaltung der EU-Regionalpolitik ein. Ich begleite das unterstützend auf parlamentarischer Ebene.

Die EU-Reform wird von vielen Bürgerinnen und Bürgern dringend verlangt. Was kann man darunter verstehen und wie kann sie angepackt werden?

Angepackt werden kann sie wie so vieles: Übers Geld! Budgets sind in Zahlen gegossene politische Überzeugungen, Schwerpunkte und Ziele. Das ist ja in der Gemeinde, im Land oder im Bund genauso. Wir müssen also im mehrjährigen EU-Finanzrahmen abbilden, was uns wichtig ist auf Europäischer Ebene, was wir für die Zukunft brauchen. Österreich steht hier unter der Führung von Bundeskanzler Sebastian Kurz für eine strengere Einhaltung der Stabilitätskriterien durch die Mitgliedsstaaten, für mehr Sparsamkeit mit Steuermitteln, und einen klaren Fokus auf jene Bereiche, in denen wir die Europäische Union brauchen. Ich beziehe das in meiner parlamentarischen Arbeit auf viele Sicherheitsthemen, auf Investitionen in Bildung besonders im Hinblick auf die Herausforderungen der Digitalisierung, und das ist die weitere Stärkung der Stärken Europas bei Kulturlandschaften, Lebensmittelqualität und unserer Vorreiterrolle im Umgang mit dem Klimawandel.

Ein zweiter Ansatzpunkt für die EU-Reform ist die Struktur. Dass in der Versammlung der Mitgliedsstaaten – also im Europäischen Rat – für viele Fragen, in denen wir schnell und klar entscheiden müssten, etwa in der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik, nur mit Einstimmigkeit entschieden werden darf, also ohne eine einzige Gegenstimme, ist eine Selbstblockade, die schnellstens aufgehoben gehört. Auch dass die Europäische Kommission in der Anzahl der Regelungsvorschläge vielfach übers Ziel hinausschießt, gehört angepackt. Weniger ist oft mehr.

Das passt zu Deinem Leitsatz, dass Europa „mehr Freiheit nach innen“ brauche, oder?

Ja! Kein anderer demokratisch strukturierter Teil der Welt hat eine so hohe Regelungsdichte wie Europa. Für die Entfaltung von unternehmerischen und zivilgesellschaftlichen Aktivitäten, ja für die Lebenschancen jedes Menschen, auch für die Entstehung und Erhaltung von Arbeitsplätzen, ist es wichtig, dass extra Regulierungen wirklich nur dann gemacht werden, wenn es notwendig ist und etwas verbessert, einen Sinn hat. Das gilt für jede politische Ebene, nicht nur für die EU, wo ich Mitverantwortung tragen darf. Auch in der Förderungsabwicklung muss teilweise an die Stelle von vorauseilendem Bürokratismus eher die anschließende genaue Überprüfung der Wirkungsweise treten, damit Steuergeld immer mehr nach den Prinzipien der Effektivität eingesetzt werden kann. Das und mehr meine ich mit meinem Leitsatz „Mehr Freiheit nach innen“, der auch immer gepaart ist mit dem anderen Leitsatz für „mehr Stärke nach außen“, im Sinne der Positionierung Europas auf der Welt. Wir dürfen nicht Spielball Anderer sein. Wir müssen im Sinne der Chancen der Europäerinnen und Europäer selbst ein starker Spieler auf der Weltbühne werden. Unsere Wirtschaftskraft rechtfertigt das in jeder Hinsicht.

Dein Arbeitsmotto ist „Rot-Weiß-Rot und Blau-Gelb im Europa-Parlament“. Wie ist das zu verstehen?

Ich gebe damit klar zu verstehen, was für alle Abgeordneten der Volkspartei Niederösterreich auf allen Ebenen selbstverständlich ist: Dass wir die Anliegen und Interessen jener Menschen zu vertreten haben, für die wir da sein dürfen. Das ist der schöne demokratische und parlamentarische Auftrag. Ich darf das im Europa-Parlament für unsere Landsleute tun. Ich kenne meinen Auftrag und möchte, dass unsere Landsleute die Gewissheit haben, dass sie in der EU-Gesetzgebung durch ihre Abgeordneten vertreten sind. Ich vertrete nicht primär die EU bei uns, sondern ich vertrete unser Land in der Europäischen Union. Da ich oft erlebe, dass diese Fragen aufkommen, positioniere ich mich mit meinem Arbeitsmotto unmissverständlich klar und handle selbstverständlich auch danach.

Deine jüngsten Erfolge in diesem Sinn hast Du ja in den Verhandlungen und Abstimmungen zur Trinkwasser-Richtlinie und zum neuen EU-Katastrophenschutz erzielt. Worum ging es da?

Der neue EU-Katastrophenschutz wurde von der Kommission gestartet, damit Europa bei Großkatastrophen im eigenen Gebiet selbst handlungsfähig ist und nicht Hilfe von außen braucht. Solche Hilfe ist in der internationalen Gemeinschaft mit Staaten mit sehr ausgeprägten Interessen auch oft mit Folgewirkungen verbunden. Das Anliegen war und ist also richtig und entspricht auch meinem Leitsatz für ein Europa mit mehr Stärke nach außen. Aber der erste Kommissionsvorschlag beinhaltete Vorschläge, die zu einer Kommerzialisierung und Zentralisierung des Feuerwehr- und Rettungswesens geführt hätten. Genau hier ist ein Parlament wichtig, ist die Arbeit von Parlamentarierinnen und Parlamentariern notwendig. Mit dutzenden Änderungsanträgen, mit Expertenhearings und viel Vor- und Nachbereitung, ist es gelungen, diese zentralistische Extra-Regulierung wegzubekommen und zu verhindern. Der Bundesfeuerwehrverband, das Österreichische Rote Kreuz und andere Betroffene haben mich bei dieser Arbeit durch ihre Expertise und ihre Beispiele sehr unterstützt.

Auch beim Trinkwasser steht ein richtiges Ziel am Beginn, nämlich jenes Ziel, dass jene rund zwei Millionen Unionsbürgerinnen und -bürger, die kein sauberes Trinkwasser haben, in Zukunft sauberes Trinkwasser bekommen. Ich teile diese Zielsetzung. Hier hat der Kommissionsvorschlag aber weniger auf die tatsächlichen Probleme gezielt, sondern in einem umfassenden Entwurf auf extra Regulierung aller Systeme gedrängt, auch unserer gut funktionierenden Systeme mit bekanntlich gutem Trinkwasser. Da wir keine höheren Kosten durch sinnlose Auflagen für unsere Haushalte wollen und unter allen Umständen einen Ausverkauf unseres Wassers verhindern wollen, bin ich auch hier parlamentarisch aktiv geworden. Auch das ist ein gutes Beispiel dafür, dass es Parlamentarierinnen und Parlamentarier braucht, die wirklich die heimischen Strukturen und Anliegen vertreten. Mit mehr als hundert Änderungsanträgen konnte ich viele Faktoren, die zu einer Kostenexplosion für unsere Haushalte geführt hätten, abdrehen, aber noch nicht alle. Die Trinkwasser-Richtlinie ist noch nicht fertig beschlossen und wird in der neuen Periode des Europa-Parlaments wieder auf den Tisch kommen. Dann wird es jemanden brauchen, der sich mit Sachkenntnis, Hingabe und einem langen Atem den verbleibenden offenen Punkten widmet. Der Bundesrat als Länderkammer unseres österreichischen Parlaments, die heimischen Wasserverbände und andere unterstützende Kräfte haben mich hier mit Fachwissen und Rechenbeispielen sehr unterstützt. Die ständige Zusammenarbeit mit dem Betroffenen daheim ist unverzichtbar für eine erfolgreiche parlamentarische Arbeit.

Laut einer Eurobarometer-Umfrage haben 40 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher ein positives Bild von der EU. Das Ansehen ist damit so positiv wie noch nie seit der erstmaligen Abfrage im Jahr 2000. Was sind Deiner Meinung nach die Hauptgründe?

Zum Zeitpunkt der Umfrage war der Anlass für dieses All-Time-High wohl der Brexit. Er ist ein abschreckendes Beispiel, wie durch den Unfug eines Austritts Arbeitsplätze zerstört und Chancen vernichtet werden. Dazu kommt der langwierige Irrweg, den der Mitgliedsstaat Großbritannien durchläuft. Das ist zum Kopfschütteln. Die tieferen Ursachen für eine positive Grundhaltung – die ja auch mit viel berechtigter Kritik an Einzelfragen verbunden ist – sind vielleicht umfassender: Heute ist klarer denn je, dass die Großwetterlage in der Weltpolitik sehr unbeständig ist, dass deshalb ein wetterfestes Haus mit einem stabilen Dach für unser aller Leben und Vorankommen wichtig ist. Die EU bietet dieses Dach, unter dem wir uns in den verschiedenen Räumen bewegen und unter dem wir leben. Das gemeinsame Haus müssen wir in Schuss halten. Dafür ist politisch sehr viel zu tun, mit Leidenschat und Ausdauer, für ein Europa mit mehr Stärke nach außen und mehr Freiheit nach innen, gegen Populismus und auch gegen Zentralismus.

Andererseits haben noch immer 22 Prozent der österreichischen Bevölkerung ein negatives Bild von der EU. Wo gibt es noch die größten Vorbehalte, und was müsste passieren, um diesen zu begegnen?

Ich nehme das ernst. Ich bin ein Vertreter aller Österreicherinnen und Österreicher im Europa-Parlament. Mir sind die Ursachen für solche ablehnenden Gefühle klar. Das ist einerseits der oben erwähnte Zentralismus, der durch Regulierung in den falschen Bereichen für Kopfschütteln sorgt. Und das ist andererseits der Populismus, der durch destruktiven Ungeist nicht mitbaut am gemeinsamen Haus Europa und der noch dazu Unwahrheiten und Verschwörungstheorien verbreitet. Der Populismus ist noch schlimmer als der Zentralismus. Aber der Zentralismus bereitet dem Populismus vielfach den Weg. In diesem Sinne sehe ich meine Arbeit als stetige Hinbewegung zu bürgernaher. Wir verdanken unser heutiges Europa nicht Institutionen in Brüssel, sondern Generationen daheim und in ganz Europa, die Frieden geschaffen, Wohlstand aufgebaut und Freiheit ermöglicht haben. Sie haben Europa besser gemacht. Jetzt ist es die Aufgabe unserer Generation, Europa besser zu machen und gut an unsere Kinder zu übergeben. Da ist weder Zeit noch Platz für populistische Zerstörungswut oder zentralistische Überheblichkeit.

Wie wird es nach dem Brexit weitergehen?

Sollte es zum Brexit kommen, gilt es, ab der Stunde Null Brücken aufzubauen. Der Austritt des Vereinigten Königreichs ist wie ein Knochenbruch. So ein Knochenbruch gehört richtig behandelt, damit er wieder gut zusammenwächst. Denn Europa bleibt weiterhin derselbe Körper, wir bleiben im gemeinsamen Haus Europa, auch Großbritannien ist Teil der Schicksalsgemeinschaft. Wir sind im gegenseitigen Interesse dazu verpflichtet, zusammenzuarbeiten. Das sind wir den zukünftigen Generationen schuldig. Auch die Union hat an dem Ausgang des Referendums eine Mitverantwortung und muss aus dem Brexit ihre Lehren ziehen: Die Freiheit nach innen muss stärker zur Geltung kommen. Die Stärke nach außen muss uns Europäerinnen und Europäern Selbstbewusstsein geben. Der Hergang des Brexit zeigt aber auch: Es gibt Teile der Welt, denen die Einheit Europas missfällt, die uns auseinanderbringen wollen. Das wurde und wird beim Brexit versucht und auch bei der kommenden Europa-Wahl wird es das geben. Daher gilt es, dass jede und jeder eine echte persönliche Wahlentscheidung trifft, sich nicht durch Störmanöver in Form im Umlauf gebrachter negativer Emotionen abbringen lässt. Wenn zum Beispiel in Social Media Kanälen Behauptungen verbreitet werden, sollten wir alle jeweils kurz innehalten und überlegen, ob das denn überhaupt stimmen kann.

Gibt es zwischen dem Europa-Parlament und anderen Parlamenten Unterschiede, wie der Parlamentarismus in der Praxis gelebt wird?

Auf allen Ebenen gibt es Abgeordnete, die Tag und Nacht hart arbeiten, um dem Wählerauftrag gerecht zu werden. Das Abstimmungsverhalten im Europa-Parlament orientiert sich zumeist an grundsätzlichen Haltungen, am Bild von der Zukunft Europas und an den Anliegen der vertretenen Teile unseres Kontinents. Keine Abstimmung verläuft exakt an den Grenzen der Fraktionen, jede Abstimmung ist bunt und hat die Chance, gut oder weniger gut auszugehen. Bei jeder Abstimmung persönlich entscheiden zu dürfen, ist eine schöne Freiheit, bedeutet aber auch eine große Verantwortung. Ich muss mich mit den Sachfragen auseinandersetzen, muss den richtigen Kolleginnen und Kollegen vertrauen. Und ich weiß genau, auch andere müssen ihr Abstimmungsverhalten vor den von ihnen repräsentierten Bürgerinnen und Bürgern rechtfertigen. Da braucht es gute Argumente, um etwas durchzusetzen, wie ich das etwa beim Trinkwasser und beim Katastrophenschutz für unsere Freiwilligen machen konnte.

Wie sieht der Alltag eines Europa-Abgeordneten aus? Könntest Du Dein Tagesgeschäft und Deine Aufgaben beschreiben?

Meine Zeit teilt sich etwa halbe-halbe zwischen Österreich und dem Europa-Parlament auf. Jeder Tag ist anders, aber in der Regel führe ich in der Früh ein paar Telefonate, beantworte E-Mails und dann folgen Sitzungen, Gespräche und Veranstaltungen. Das sind im Europa-Parlament neben Ausschuss- und Plenarsitzungen, Vor- und Nachbereitungsterminen sowie Medienkontakten auch viele Expertengespräche, die ich selbst zu meinen Arbeitsschwerpunkten veranstalte oder einfach besuche. Vieles davon gibt es in Österreich auch, dazu kommen daheim noch die vielen schönen Gelegenheiten zur Begegnung mit Bürgerinnen und Bürgern, deren Auftragnehmer ich als Abgeordneter ja bin. Das reicht vom Feuerwehrfest bis zum Mobilitätskongress, von der Kindergarteneröffnung bist zum Seniorenwandertag. Wie auf allen Ebenen ist auch im Europa-Parlament für Politikerinnen und Politiker das Wochenende Arbeitszeit. Sonntage versuche ich aber zumindest teilweise von Arbeitsterminen unangetastet zu lassen.

Das ist eine riesen Herausforderung auch für eine Familie, wenn man bedenkt, dass Du die halbe Zeit nicht in Österreich bist. Wie bewerkstelligst Du das?

Das größte Glück ist meine Frau Kristina. Für sie stehen von Anfang an die Kinder an erster Stelle. Sie ist Juristin, ist selbst politisch aktiv und ausreichend kritisch, um mir immer wieder echt gutes Feedback zu geben, gut gemeinte Kritik eben. Wir sind auch ein gutes Team, was die zeitliche Organisation betrifft. Sonntage und Urlaube bieten wirkliche Qualitätszeiten, auch mit den Kindern, die auch eigene Interessen und Aktivitäten haben. Dann drehe ich auch das Handy ab. Eine Minute Zeit kann man eben nur ein Mal vergeben.

Wie sehr sind Deine Kinder, dadurch dass der Papa Politiker ist, auf dem Weg, selbst zu sagen: Das möchten wir uns auch einmal anschauen und uns politisch engagieren?

Ich habe das Gefühl, dass sie sich für Politik interessieren. Hin und wieder beim Essen oder wenn es einen äußeren Anlass gibt sprechen sie selbst politische Fragestellungen an. Ich habe aber bisher nicht den Berufswunsch gehört, Politikerin oder Politiker zu werden. Ich glaube, es ist wichtig, für Kinder viele Wege offenzulassen und sie liebzuhaben und voll zu unterstützen, egal was das Leben bringt und was sie daraus machen. Ich freue mich über das Interesse an der Politik, aber man soll seinen Talenten folgen. Das würde ich auch allen anderen Kindern und Jugendlichen empfehlen, so haben auch meine Kinder ganz unterschiedliche Interessen.

Was würdest Du jemandem, der oder die sich aktiv in der Politik einbringen und etwas bewegen will, empfehlen?

Sich Wahlen zu stellen – sei es für eine Sprecherfunktion oder einen Vorstand in einer Interessenvertretung, einer Teilorganisation oder einer Parteiorganisation, oder für eine Gebietskörperschaft auf Gemeinde-, Landes-, Bundes- oder Europaebene. Den Auftrag an Mandatsträgerinnen und -träger formulieren die Bürgerinnen und Bürger. Und sie unterschreiben ihn mit Wählerstimmen. So entsteht demokratische Politik. Ich denke, es ist wichtig, Haltung zu entwickeln, zu pflegen und auch in Extremsituationen zu bewahren, für menschen- und sachgerechte Lösungen zu kämpfen, andere Menschen mit echtem Respekt zu behandeln, bei anderen Meinungen wirklich offen hinzuhören, und eine Herabwürdigung anderer Menschen nie zuzulassen, nicht in der Sprache und schon gar nicht im Handeln. Klar muss ich einschränkend sagen, dass solche Empfehlungen durchaus anregend sein können, aber letztlich muss jede und jeder den eigenen Weg finden.

Falls Du ausreichend Vorzugstimmen für eine Wiederwahl bekommen solltest, wie wirst Du die Arbeit dann anpacken?

Ich bin jemand, der nie versuchen will, den zweiten Schritt vor dem ersten zu setzen. Wer mich kennt, weiß das. Jetzt sind wirklich die Wählerinnen und Wähler am Wort und entscheiden durch ihre Vorzugsstimmen, wer vom Team Volkspartei im neuen Europa-Parlament die Vertretung der Österreicherinnen und Österreicher machen wird. Falls meine Wiederwahl gelingt, werde ich mich vor allem den Verhandlungen zum neuen mehrjährigen EU-Finanzrahmen widmen. Denn dieser Finanzrahmen, der für sieben Jahre gelten wird, muss noch heuer beschlossen werden. Das wird angesichts der Tatsache, dass vorher ein neues Europa-Parlament und eine neue EU-Kommission konstituiert werden müssen, eine große Herausforderung. Aber ein Budget ist die immer die in Zahlen gegossene Politik. Und wir werden es nur dann schaffen, Europa besser zu machen, wenn wir bessere Schwerpunkte im neuen EU-Finanzrahmen durchsetzen. Deshalb wird mir das so wichtig sein. Die inhaltlichen Beiträge zum EU-Finanzrahmen kommen aus allen verschiedenen Politikbereichen.

Insgesamt gilt im Fall meiner Wiederwahl durch Vorzugsstimmen: Ich werde mich sofort wieder von Beginn an im Sinne meines Arbeitsmottos „Rot-Weiß-Rot und Blau-Gelb im Europa-Parlament“, im Sinne meiner Leitsätze für ein Europa mit mehr Stärke nach außen und mehr Freiheit nach innen und entlang meiner Arbeitsschwerpunkte in den Bereichen Außen- und Sicherheitspolitik, Bildung und Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Regionalpolitik sowie EU-Reform einbringen.

Wie siehst Du Deine Chancen im österreichweiten Rennen um Vorzugsstimmen?

Alle Kandidatinnen und Kandidaten starten bei der Nulllinie. Wer nicht fast ständig Präsenz in Massenmedien hat, ist in einem sehr knappen Rennen. Der Abstand zwischen der letzten Person, die ins Europa-Parlament gewählt wird, und der ersten Person, für die kein Mandat mehr möglich sein wird, wird denkbar knapp sein. Es geht wirklich um jede Vorzugsstimme. Es gibt da keinerlei Umweg, nur der direkte Weg der direkten demokratischen Wahl durch Vorzugsstimmen ist möglich. Ich bin deshalb im Rennen um Vorzugsstimmen, weil ich eine gewisse Chance sehe, wiedergewählt zu werden, und weil ich denke, für unser Land und für die Entwicklung Europas etwas beitragen zu können. Aber es wird knapp.

Ich habe immer für Vorzugsstimmen-Systeme gekämpft und unterstreiche ihre Wichtigkeit. Denn der Wettbewerb gehört zu einem demokratischen System. Die Auswahl der Personen wird nur bei uns – beim Team Volkspartei – nicht hinter verschlossenen Türen von Parteigremien getroffen, sondern von den Wählenden in der Wahlzelle, durch Vorzugsstimmen.

Was antwortest Du auf die Frage: Warum soll ich meine Vorzugsstimme Lukas Mandl geben?

Ich stehe für ein Europa, das nach außen stärker auftritt und mehr Gewicht hat. Wir erleben jeden Tag, dass das immer dringender wird. Kürzlich war ich in den Vereinigten Staaten und in Israel. Beide Male musste ich wieder feststellen, dass noch viel zu tun ist, um Europa dieses Gewicht auf der Welt zu geben, um ernst genommen zu werden. Gleichzeitig stehe ich dafür, dass wir weniger Betriebsamkeit in Regulierung, Verboten und die Bürokratisierung an den Tag legen sollten. Stattdessen müssen wir mehr Freiheit nach innen ermöglichen. Ein Europa mit mehr Stärke nach außen und mehr Freiheit nach innen sind die Leitsätze für meine Arbeit. Und mein Arbeitsmotto lautet deshalb „Rot-Weiß-Rot und Blau-Gelb in Europa“, weil ich den Auftrag unterstreichen möchte, die Bürgerinnen und Bürger unseres Heimatlandes, im Europa-Parlament zu vertreten, als ihr Dienstleister.

Webtipp: lukas-mandl.at